Wahre Grösse

Mitternacht war schon lange vergangen als es an die Türe des kleinen Hauses klopfte. Klein
und sehr betagt stand es schon unsägliche Zeiten in den Bergen Wind und Wetter, sowie den
wechselnden Jahreszeiten ausgesetzt. Eine gewisse Zeit verging bis sich die Haustüre öffnete
und im Lichtschein des Mondes konnte man eine ältere Frau erkennen, dem Alter entsprechend
krumm und schläfrig stand diese im Türrahmen. Besagte Person die klopfte und bei der es sich
um einen Mann handelte sprach das Mütterchen an, wobei sie ihn jedoch nicht verstehen konnte.
Trotz Müdigkeit musterte sie besagte männliche Person mit ihren sehr hübschen blauen Äugelein
und konnte unschwer ein bedenkliches Erscheinungsbild feststellen. Gehetzt verschmutzt und
vor allem extrem verschwitzt stand ein sehr junger Soldat in einer Uniform vor ihr, die in
diesem Lande nicht gerade sehr beliebt oder gern gesehen war. Genauer gesagt, diese Uniform war
verhasst! Sie überlegte nicht lange und bat den jungen Soldaten der äußerst verängstigt wirkte
in ihre kümmerliche Wohnung und bot ihm Platz am Tisch an. Sie gab ihm sofort etwas zu trinken
und holte vom noch etwas erwärmten Herd Essen und stellte beides auf den Tisch, was den jungen
Soldaten offensichtlich durstig ausgehungert sofort zum zugreifen veranlasste. Sprachliche
Verständigung, diese war nicht möglich, jedoch immer wieder versuchte sie eine Konversation in
reservierter Form mit ihm. So verging einige Zeit als es plötzlich erneut an die Türe klopfte
und der junge Soldat angsterfüllt aufsprang, sofort verwies sie ihn in eine kleine Kammer
die sich als ihr dürftiges Schlafzimmer herausstellte und schloss die Türe wiederum hinter
dem verängstigten jungen Burschen. Als sie die Eingangstüre öffnete konnte sie mehrere
Männer in Zivilkleidung sowie starker Bewaffnung erkennen die mit ihr sprachen und in das
Haus wollten was sie jedoch listig verweigerte, so dass nach einiger Zeit diese ihres Weges
gingen oder besser gesagt gehen mussten. Zurück im Schlafzimmer stand der junge Soldat
schlotternd vor Angst mit Tränen in den Augen vor ihr, wobei sie ihm beruhigend die Hand
streichelte. Nachdem dieser sich etwas beruhigte, konnte er an der Wand das Bild einer sehr
jungen männlichen Person erkennen, wobei besagtes Bild mit einem schwarzen Band verziert war.
Er beäugte dies sehr lange Zeit sprach die Frau an und wollte wissen wer dies auf dem Bild
ist und sie verstand sofort seine Frage. Tränen erschienen auf ihrer Wange und sie weinte
still leise in einer Art dass einem das Blut in den Adern erstarrte! So vergingen
unsägliche Minuten mit beidseitigem Schweigen und irgendwann gab sie ihm zu verstehen dass
dies ihr Sohn war. Mit Handzeichen und wie auch immer erklärte sie ihm, dass seine
Landsleute ihren Sohn erschossen hätten als Geisel und Racheakt wegen vorheriger
Aktivitäten von Partisanen! Wie beschämt muss dieser junge deutsche Soldat gewesen sein,
dessen Leben in den Bergen Bosniens bei Hetze durch Partisanen von einer Frau gerettet
wurde, derer Sohn vorher von seinen Kameraden ermordet wurde! Sie
zeigte wahre menschliche Größe und stellte Gastrecht sowie Kenntnis von Liebe Sorge
einer Mutter über jeglichem Hass!

   

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