Gefreiter Hans Müller

Hans Müller, geboren am 21. Februar 1903 in Beimerstetten, wurde am 9. August 1942 beim Angriff
auf russische Stellungen bei Kalatsch Donskaja durch einen Bauchschuss verwundet. Er verstarb
am darauffolgenden Tag, dem 10. August, und wurde beim Hauptverbandsplatz Platonow begraben.
Den letzten Brief an die Familie hatte der als Sanitäter eingesetzte Soldat hoffnungsfroh zwei
Tage vor seinem Tod geschrieben.

Letzter Brief an die Familie:
8.8.1942
Liebes Hexle!
Liebe Mutter!
Liebe Lissi und lieber Hansi! Grüß Euch Gott zusammen, Ihr Lieben! Heute Nacht wurden wir wieder für einen Tag aus der Stellung
zurückgezogen, und ich will die Gelegenheit nützen, Euch zu schreiben. Anbei auch wieder eine
Paketmarke, damit Ihr mir ein grösseres Paket schicken könnt. Vergesst den Süßstoff nicht und
dann vor allem Gebackenes! So eine Art Kuchen - das schmeckte mir, wenns möglich wäre.
In den letzten Tagen schrieb ich in der Stellung (Donbogen) etliche Karten, eine davon, der
Sicherheit wegen auch nach Bollingen. Wir haben wieder sehr schwere Tage hinter uns. Die Russen
greifen fortgesetzt an. Unsere Kompanie hat schon mindestens 50% Ausfall. Das ist kein erhebendes
Gefühl, wenn man nach dem Ruhetag wieder in Stellung muß. Gestern habe ich einen schwer verletzten
Kameraden den Russen 60 Meter vor dem Maschinengewehr weggeholt. Ich konnte und durfte ihn doch
nicht einfach liegen lassen - und es ist mir nichts dabei passiert, obwohl die Russen wie wild
schossen! Als ich ihn in Sicherheit hatte, da habe ich mich recht von Herzen gefreut und unserem
Herrgott gedankt, dass ers gelingen ließ! Übrigens geschah dies am selben Platz, wo ich neulich mit
einem Kameraden zusammen stundenlang mutterseelenallein zwischen 25 bis 30 russischen Panzern lag.
Ich schrieb Euch damals, ich sei durch ein Wunder gerettet worden, und ich sehe es heute noch so
an. Ja, der Kampf ist sehr erbittert und hart und es gibt täglich viele, viele Ausfälle, trotzdem
habe ich das Gefühl, dass ich durchkomme. Ängstigt Euch also nicht, sondern vertraut unserem Herrgott, ders schon recht macht! Wenn wir erst über den Don wären und der Wolga zugingen, dann
hätten wir wohl das Schlimmste hinter uns.
Nun grüße und küsse ich Euch alle! Bleibt mir gesund und denkt meiner in Liebe: Denn ich bin ja
immer und immer ganz Euer Hans.

   

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