Gedenkstein für Wilhelm Gärtner
in Lichtenstein

Der Gedenkstein aus der Ferne

Zum Gedenken
Wilhelm Gärtner
*28.04.1896
10.04.1945
durch Kriegseinwirkung

Die Geschichte zu diesem Stein:

Von Lichtenstein in Richtung Dürrnhof, steht hinter den letzten Häusern ein Gedenkstein.

Neugierige bleiben stehen und können

Zum Gedenken
Wilhelm Gärtner
*28.04.1896
10.04.1945
durch Kriegseinwirkung

lesen.

Ich habe mich auch gefragt, was hier wohl geschehen sein mag. Mein erster Gedanke war, dass der
Wilhelm Gärtner vielleicht Opfer eines Tieffliegers geworden war. Dies war in den letzten Kriegstagen
keine Besonderheit, denn amerikanische Flieger schossen zu dieser Zeit sogar auf einzelne Bauern auf
ihren Feldern. Es war ja Krieg.
Etwas genauere Recherchen liessen meine ersten Gedanken des Tieffliegerangriffs aber im wahrsten Sinne verfliegen.

Ich hörte von einem Pferdefuhrwerk, einer Panzersperre, die aufgebaut worden sein sollte, Anruf durch einen
amerikanischen GI und einer Garbe aus einem schweren MG, welche Herrn Gärtner in der Mitte fast geteilt haben soll.
Da mein Nachname "Trapper" ja auch "Jäger und Sammler" bedeutet, erinnerte ich mich, dass ich einige
Zeitungsausschnitte in einem alten Bauernschrank horte. Beim Durchblättern stiess ich auf einen Bericht
der "Neuen Presse" vom 11.04.2005, welcher hier wiedergegeben wird:

Vier Landwirte aus Junkersdorf/Ufr - Johann Gärtner, Wilhelm Gärtner, Peter Koch und der Müllermeister August Dünisch
bekamen von einer deutschen Wehrmachtseinheit, die sich in Junkersdorf aufhielt, den Befehl, Soldaten, Waffen und
Ausrüstung mit ihren Pferdefuhrwerken in Richtung Lichtenstein abzufahren. Wegen der Gefahr amerikanischer
Tieffliegerangriffe,begann die Fahrt der Landwirte erst am Abend des 8. April 1945.
Die amerikanischen Truppen hatte an diesem Tag schon Sulzdorf an der Lederhecke besetzt und waren keine 20 km von
Junkersdorf entfernt.Als die Junkersdorfer in Buch eintrafen, wurde der Leiterwagen des Wilhelm Gärtner beschädigt.
Der Landwirt Mildenberger aus Buch musste einen Ersatzwagen stellen, auf den die Fracht umgeladen und die Pferde
angespannt wurden. So ging die Fahrt durch die Nacht weiter.
Am Vormittag des 09. April hatte die Transportkolonne fast Lichtenfels erreicht. Die Wagen von Peter Koch und
August Dünisch konnten dort entladen werden. Beide Fahrer traten die Rückfahrt an und konnten am Abend glücklich
Junkersdorf erreichen. Dies war an diesem Tag von amerikanischen Truppen besetzt worden.
Als die Leiterwagen von Johann und Wilhelm Gärtner in einem Ort bei Lichtenfels endlich entladen waren, hätten sie
umgehend zurückfahren können. wegen der zu erwartenden Gefahren zogen sie es aber vor, frühestens bei beginnender
Dämmerung das Maintal zu durchqueren.
Mitten in der Nacht trafen die beiden Fuhrleute wieder in Buch ein. Dort sollten sie wohl übernachten. Als aber Wilhelm
Gärtner erfuhr, dass die Amerikaner schon in Junkersdorf seien, übermannte ihn die Sorge um seine Frau und vier Töchter.
Er beschloss, noch in der Nacht weiter zu fahren. Johann Gärtner wollte ihn in dieser sehr dunklen Nacht nicht allein
lassen und fuhr ihm hinterher. Weil die Ortsverbindungsstrasse nach Lichtenstein durch eine Panzersperre nicht
befahrbar war, wählte Wilhelm Gärtner den Flurweg von Wüstenwelsberg nach Lichtenstein.
Die Fuhrwerke befanden sich kurz vor Lichtenstein, als sie gegen zwei Uhr des 10. April ein amerikanischer Posten
anrief und gleich darauf eine Reihe von Schüssen fiel, wahrscheinlich aus seiner Maschinenpistole. Wilhelm Gärtner,
der auf seinem Fuhrwerk stehend die Pferde lenkte, wurde von mehreren Geschossen auf der linken Körperseite getroffen
und war sofort tot.
Wie Johann Gärtner später berichtete, habe Wilhelm Gärtner sicher durch die Fahrgeräusche den Anruf nicht gehört.
Er habe gleich nach Wilhelm gerufen, aber da sei es schon zu spät gewesen. Die Pferde hätten gescheut und seien von
den amerikanischen Soldaten beruhigt worden.
Das Gespann mit dem Toten führten amerikanische Soldaten in den Hof des Lichtensteiner Gasthofes, wo auch
Johann Gärtner die Weiterfahrt in dieser Nacht untersagt wurde.
Der 15-jährige Willi Weller aus Junkersdorf, der sich zufällig in Lichtenstein aufhielt, brachte am Vormittag das
Fuhrwerk mit dem Toten nach Junkersdorf.
Die Familie Gärtner traf tiefes Leid. Alle Bewohner reagierten bestürzt und entsetzt über den Tod des Wilhelm Gärtner,
der als angesehener Mann jedem freundlich und hilfsbereit entgegen gekommen war.


Zeitungsbericht vom 11.04.2005