Dt. Soldatenfriedhof Cheb (Eger)

Am 26. Mai 2008 wurde endlich nach langen Jahren des Ringens und Verhandelns der Vertrag zwischen
der Stadt Eger und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterzeichnet. Dies wurde der elfte und wahrscheinlich
vorerst letzte deutsche Soldatenfriedhof in Tschechien und der dritte im Landkreis Karlsbad. Er befindet sich direkt
neben dem städtischen Friedhof in Eger.

Jahrelang wurden die Gebeine der Wehrmachtssoldaten, welche in den letzten Kriegstagen zwischen den Fronten der
US-Armee im Westen und der Roten Armee im Osten, gefallen waren, hin- und hergeschoben. Zuerst lagerten sie in
Pappkartons in einer stillgelegten Armaturenfabrik bei Usti nad Labern (Aussig). Als dies durch eine große Zeitung
publik wurde, schoben die Tschechen den Deutschen und die Deutschen den Tschechen die Schuld in die Schuhe. Nun wurden
sie in einem stillgelegten Atombunker auf dem Truppenübungsplatz Brdy eingelagert. Da jedoch die US-Armee an genau
diesem Bunker Interesse zeigte, störten die Gebeine erneut. Nun wurde es Zeit, eine würdevolle Stätte zu finden und
so begann die Odyssee des Volksbundes gegen allzu häufigen Widerstand finanzieller, aber mehr noch, politischer Natur.

Zehn Jahre Verhandlungen fanden aufgrund der Zähigkeit des Volksbundes und der Stadt Eger endlich zum Ziel. Dabei
dürfte auch die enorme Summe von fast 1 Mio. Euro des Volksbundes für die Anlegung der Anlage, sowie die Restauration
des bestehenden tschechischen Teils, eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Am 11. September 2010 war es dann auch soweit. Die Teilnahme meiner Frau und mir bei der Einweihungsfeier war schon
lange geplant und so ging es früh los in Richtung Tschechien. Das Wetter war für so einen Tag wie geschaffen und
nach 4 Stunden Fahrt kamen wir in Eger an. Es war beeindruckend, wie viele Busse, Pkw und Besucher bereits vor Ort
waren. Viele aus Deutschland, aber auch tschechische Nummernschilder konnte man auf den extra ausgewiesenen
Parkplätzen sehen, denn unter den ca. 5600 Toten, von denen gut die Hälfte namentlich bekannt sind, sind nicht
nur Wehrmachtsangehörige, sondern auch 473 Volksdeutsche, welche auf der Flucht oder auch nach Kriegsende in
Internierungslagern ihr Leben ließen.

Die Einweisung und Betreuung der anfahrenden Gäste wurde von Soldaten der tschechischen Armee und von Bundeswehr-
soldaten mit Bravour gemeistert. Viele Besucher trugen Gestecke, Kränze oder einfach nur eine Rose mit sich. Sie
haben Angehörige, die hier endlich ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, so wie der 1942 geborene Untermeitinger
Siegfried W. Er dachte, dass sein Vater in russische Gefangenschaft geraten ist, er hatte seit 1945 kein
Lebenszeichen mehr von ihm erhalten. Erst 2007, nach über 60 Jahren erfuhr er, dass er am 8. April 45 in
einem Lazarett bei Prag starb. Jetzt gibt es keine Ungewissheit mehr, sondern ein Grab mit Namen und Daten,
nur einige Hundert Kilometer von seinem Heimatort bei Augsburg entfernt. Solange es seine Gesundheit zulässt,
will er seinen Vater jedes Jahr besuchen.

Solche oder ähnliche Geschichten gibt es viele am heutigen Tag. Ältere Menschen, die mit Tränen in den Augen vor
dem Granitkreuz ihres Angehörigen stehen und im Stillen gedenken. Das aber auch das öffentliche Interesse an
solchen "Events" nicht verloschen ist, zeigen die weit über 3000 Besucher und über 60 Fahnenabordnungen aus alle
Teilen Deutschlands. So verging der restliche Vormittag mit dem Begehen der in 8 Blöcken angelegten Anlage, Gesprächen
und dem Besuch einer Ausstellung des Volksbundes.

Der offizielle Teil sollte um 14:00 Uhr stattfinden, doch kam der Parlamentarische Staatssekretär des Bundes-
ministers der Verteidigung, Herr Christian Schmidt nicht nach altem Soldatenbrauch 5 Minuten vor der Zeit,
sondern nach üblicher Politikermanier 20 Minuten später.

"Ich bete an die Macht der Liebe" von Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski, gespielt von der Bernhardswalder
Blaskapelle eröffnete die Gedenkveranstaltung.
Es folgte die Begrüßung durch Herrn Rainer Ruff, dem Generalsekretär des Volksbundes, die Dankesworte richtete
Herr Reinhard Führer, der Präsident des Volksbundes an Gäste und Offizielle.
Die Vertretung des tschechischen Außenministers übernahm Herr Prof. Tomas Kosta, der vor über 63 Jahren bei
einem Transport ins KZ Mauthausen mit einem Freund fliehen konnte.
Dr. Jan Svoboda, der Bürgermeister von Cheb hielt eine bewegende Rede, fand aber auch harte und wahre Worte
den Bayerwald bei Tirschenreuth betreffend. Hier scheint nach etlichen Versprechungen und Hinhaltungen noch
einiges an Klärungsbedarf und wir wollen zugunsten der Stadt Eger hoffen, dass dies leidige Thema bald der
Vergangenheit angehören mag.
Hugo Fritsch, ein bekannter Autor und damaliger Zeitzeuge, sowie der 2. Vorsitzende des Egerer Landtages,
Herr Erwin Sommer beendeten diesen Teil mit ihren Grußworten.
Nach einer Gedenkansprache von Herrn Dr. Gernot Erler, MdB folgte die ökumenische Andacht in zwei Sprachen
mit dem gemeinsamen Gebet.
Zum Schluss folgten die Kranzniederlegungen, das Trompetensolo "Ich hatt einen Kameraden", sowie die
Nationalhymnen der beiden Staaten.
Um 17:00 Uhr war Gedenkveranstaltung offiziell beendet und es hieß "Bier frei", denn Angesichts der prallen
Sonne und dem geselligen Gemüt von uns deutschen Reservisten, war bis zu diesem Zeitpunkt Ausschankverbot
von alkoholischen Getränken.
Nach einer Vesper und ein paar Bierchen ging es wieder Richtung Heimat. In Gedanken noch die Bilder und
Eindrücke eines rundum gelungenen Tages.
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